Sanierung in Mainz-Gonsenheim

Studentenwohnheim, Mainz-Gonsenheim

Das Studentenwohnheim in Mainz-Gonsenheim ist die energetische Sanierung eines Wohnheims von 1972 mit 32 Apartments auf vier Geschossen — Dämmung, Wärmepumpe, Latentwärmespeicher und raumweise Regelung.

Zweiunddreißig Apartments auf 800 Quadratmetern, gebaut 1972. Geheizt wird heute mit einer Lambda-Wärmepumpe über einen Latentwärmespeicher und die Hydraulik von Baunach — geregelt aber wird jedes Zimmer einzeln: Fenster auf heißt Heizung aus, ist niemand da, geht die Solltemperatur um vier Grad zurück. Das Warmwasser läuft über eine Frischwasserstation im Durchlauf. Weil dabei kein Wasser steht, entsteht kein Legionellenthema, und 45 Grad genügen statt der 60, die ein Speicher verlangt.

Stand

Kenndaten des Projekts
Projektart Sanierung
Ort Mainz-Gonsenheim
Gebäudetyp Mehrfamilienhaus
Wohneinheiten 32
Baujahr 1972
Wohnfläche 800 m²
Bauteile Lambda · Solarthermie (lädt den Latentspeicher) · PCM-Latentwärmespeicher (57 °C) · Frischwasserstation (45 °C) · Baunach · 32 × Loxone (Einzelraumregelung)
Solarthermie ja

Datenstand 28.08.2026, Quelle: Herstellerangabe. Die Werte gelten für dieses Objekt. Sie sind keine Zusicherung für andere Gebäude — Heizlast und erforderliche Vorlauftemperatur hängen an Bausubstanz, Heizflächen und Nutzung des jeweiligen Hauses.

Die Entscheidung

In einem Wohnheim heizt niemand sein eigenes Haus. Zweiunddreißig Bewohner zahlen keine eigene Rechnung, lüften bei offenem Fenster und drehen nicht zurück, wenn sie gehen — das ist kein Vorwurf, das ist die Ausgangslage.

Wir haben deshalb nicht mit der Anlagentechnik angefangen, sondern damit, wie viel Wärme überhaupt im Gebäude bleibt. Jedes der zweiunddreißig Zimmer bekam eine eigene Regelung: Fenster auf heißt Heizung aus, ist niemand da, geht die Solltemperatur um vier Grad zurück. Dazu die Dämmung.

Der zweite Hebel war das Warmwasser, und er ist der unauffälligere. Ein Trinkwasserspeicher muss auf 60 Grad gehalten werden, weil dort Wasser steht — und in stehendem, lauwarmem Wasser vermehren sich Legionellen. Eine Frischwasserstation erhitzt im Durchlauf: immer frisches Wasser, kein Vorrat. Das Problem entsteht gar nicht erst, und 45 Grad genügen. Fünfzehn Grad klingen nach wenig, und der Gewinn hört nicht bei der Erzeugung auf. Ein Speicher und sein Leitungsnetz geben ständig Wärme an die Umgebung ab, proportional zum Temperaturunterschied: Bei zwanzig Grad im Keller sind sechzig Grad ein Abstand von vierzig Kelvin, fünfundvierzig Grad einer von fünfundzwanzig. Das ist kein Effekt am Tag der Inbetriebnahme, sondern jede Stunde des Jahres — und bei zweiunddreißig Wohnungen mit Zirkulation steht die Anlage nie ganz still. Der Rest ist einfach: Je kleiner der Abstand zur Umgebung, desto kleiner der Verlust.

Und dann ist da das Wachs. Zwischen Solarthermie und Frischwasserstation liegt ein Latentwärmespeicher, der bei 57 Grad schmilzt und wieder erstarrt. Die Solarthermie lädt ihn, das Frischwasser wird daran vorgewärmt. Der Unterschied zu einem Wasserspeicher liegt im Entladen: Wasser kühlt ab, während man es entnimmt, und die Temperatur sinkt mit jeder Dusche. Wachs bleibt bei 57 Grad, bis es durch ist. Für die Wärmepumpe heißt das, dass der Hub auf die Zieltemperatur klein wird — oder ganz entfällt, solange die Sonne geliefert hat.
Die Reihenfolge war ungewöhnlich, und sie war richtig. Bei einem Einfamilienhaus rechnet man die Heizlast und wählt das Gerät. Bei zweiunddreißig Nutzern muss man vorher wissen, welches Verhalten man eigentlich regelt.